Demian
Dienstag, 23. Juni 2026
20:59 Uhr
Preis auf Anfrage
Kunst & Kultur
Theater
KI-klassifiziert (hohe Konfidenz)
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(4 weitere Termine)Beschreibung
Mich beschäftigt das Ende der Demian-Geschichte. Nachdem wir Emil Sinclair beim Heranwachsen begleitet haben, bei seinem Versuch, sich von den tradierten Werten der Elterngeneration zu befreien und seinen ganz eigenen Weg zu gehen, bricht am Schluss wie ein Unwetter der Erste Weltkrieg über ihn herein. Emil glaubt, dass dies die Erfüllung seines Schicksals sei, und wird Soldat. Der, der ganz auf sein individuelles Innerstes hören wollte, kämpft uniformiert neben Millionen anderen. Kommt Emil da von seinem Weg ab, verirrt sich in der Kriegsbegeisterung, die ja viele Intellektuelle 1914 zumindest kurzzeitig verspürten? Oder ist das Ende im Krieg, das Mittun beim Töten eine logische Konsequenz der permanenten Innenschau, bei der die äußere Realität an Bedeutung verliert? Hat dieses Bedürfnis nach Zerstörung, nach einem «tabula rasa»-Moment, damit zu tun, dass in Emils Erziehung durch Eltern und Kirche alles Destruktive, Aggressive, «Böse» mit Scham besetzt und nicht als Teil der menschlichen Natur anerkannt wurde? Vielleicht kommt das Missverständnis, das dabei häufig vorliegt, durch die Annahme zustande, einfache Antworten auf komplexe Fragen gefunden zu haben. Diese scheinen zwar für Einzelne momenthaft zu funktionieren, lassen aber jegliche Konsequenzen für andere außer Acht. Auch Emil erliegt diesem Trugschluss. Er denkt, er sei auf der Seite der Wissenden, der «Gezeichneten», die sich dazu bereiterklärten, sich der Neuordnung der Welt uneingeschränkt hinzugeben. Manchmal ha