Der neue faschistische Körper
Vortrag und Gespräch mit Dagmar Herzog
Donnerstag, 28. Mai 2026
18:30 Uhr
Eintritt frei
Messe & Kongress
Vortrag
KI-klassifiziert (hohe Konfidenz)
Beschreibung
Der Erfolg faschistischer Bewegungen und Parteien lässt sich nicht allein mit Angst und Wut erklären. Ebenso ausschlaggebend sind die Lust und das Vergnügen an Gewalt und Aggression. So ist Rassismus besonders intensiv, wenn er erotisch aufgeladen ist, etwa, wenn Migration als sexuelle Bedrohung für deutsche Frauen dargestellt wird. Neben diesem „sexy Rassismus“, so die Historikerin Dagmar Herzog (New York), ist eine obsessive Behindertenfeindlichkeit elementarer Grundbaustein des AfD-Programms – mit starkem Widerhall der Nazis.
In ihrem Buch Der neue faschistische Körper (Verlag: Wirklichkeit Books) unternimmt Dagmar Herzog den Versuch, die Geistesgeschichte dieser beiden Phänomene – libidinöse Intensivierung im Faschismus und Feindseligkeit gegenüber als imperfekt wahrgenommenen Körpern – zusammenzudenken. Denn nur wer die Gefühlswelten und Debatten vergangener Faschismen studiert, kann ihre gegenwärtige Erscheinungsform verstehen und bekämpfen.
Mit Bezug auf die in der Weserburg gezeigte Arbeit I Want a President (1992) der US-Künstlerin Zoe Leonard spricht Herzog in ihrem Vortrag auch über aktuelle Entwicklungen in Politik und Gesellschaft der USA. Im Anschluss folgt ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Martin Nonhoff (Worlds of Contradiction (WOC) & Profs gegen Rechts, Universität Bremen).
Im Rahmen der Ausstellung So wie wir sind
Dagmar Herzog ist Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York und U Bremen WOC International Guest Professor 2026. 1991 promovierte Dagmar Herzog an der Brown University mit einer Arbeit über Religionspolitik in den 1830er–1940er Jahren im vorrevolutionären Baden, war von 1991 bis 2005 zunächst Assistant und später Associate Professor of History an der Michigan State University bevor sie 2005 als Professor of History an das Graduate Center, City University of New York wechselte, wo sie seit 2012 Distinguished Professor of History and Daniel Rose Faculty Scholar ist. Von 1993–1994 war sie Andrew W. Mellon Fellow an der Harvard University, von 2002–2003 Mitglied der School of Social Science am Institute for Advanced Study in Princeton, und 2013 Visiting Research Scholar am Shelby Cullom Davis Center for Historical Studies an der Princeton University und hatte Gastaufenthalte an der Université Paris II (Panthéon-Assas), der Friedrich Schiller-Universität Jena, der Freien Universität Berlin, der Johns Hopkins University, der Cornell University und dem Institut für Sozialforschung.
Dagmar Herzog forscht seit langem zur Geschichte der Sexualität, Religion und des Holocausts mit besonderem Fokus auf faschistische Körperpolitiken und die Geschichte der Eugenik und den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung in Deutschland und den USA.
Eine Veranstaltung von Worlds of Contradiction (WOC) und Profs gegen Rechts von der Universität Bremen zusammen mit der Weserburg Museum für moderne Kunst und der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Abb.: Foto: Dagmar Herzog © Jürgen Bauer