Der Freimarkt ist kein Jahrmarkt, der zufällig in Bremen stattfindet. Er ist der Grund, warum Bremen überhaupt eine Marktstadt wurde. 1035 räumte Kaiser Konrad II. der Stadt das Recht auf einen freien Markt ein: freier Handel, Marktfrieden, keine Zunftschranken. Das „frei“ im Namen ist kein Werbewort, es ist ein Rechtsbegriff.
Aus dem Warenmarkt wurde über Jahrhunderte ein Vergnügungsfest. Geblieben ist die Doppelstruktur: das große, laute, moderne Gelände auf der Bürgerweide und der „Kleine Freimarkt“ in der Altstadt, der näher am Ursprung geblieben ist — Karussells zwischen Rathaus und Roland, Handwerk, deutlich weniger Dezibel.
Für Auswärtige ist das eine seltene Konstellation: Großveranstaltung und Weltkulturerbe liegen zwölf Gehminuten auseinander. Man kann beides an einem Nachmittag machen, ohne einmal in ein Auto zu steigen.
Siebzehn Tage im Jahr kippt Bremen. Hinter dem Hauptbahnhof wächst auf der Bürgerweide eine zweite Stadt aus Licht, Zucker und Lautsprechern, und in der Altstadt dreht sich parallel ein kleinerer, älterer Bruder. Wer aus Hannover, Hamburg oder Oldenburg anreist, steht nach fünf Minuten Fußweg vom Gleis mitten drin.